Jahrzehntelang war die Maestro-Karte fester Bestandteil des deutschen Alltags. Ob beim Einkaufen im Supermarkt, am Geldautomaten oder auf Reisen im europäischen Ausland – die kleine rote und blaue Weltkugel auf der EC-Karte war allgegenwärtig. Dann kam die Ankündigung: Ab dem 1. Juli 2023 dürfen Banken und Sparkassen keine neuen Maestro-Karten mehr ausgeben. Was steckt dahinter? Und was kommt jetzt stattdessen?
Was war die Maestro-Karte?
Maestro ist ein Debit-Zahlungssystem, das Mastercard bereits 1991 eingeführt hat. In Deutschland war es jahrzehntelang das am weitesten verbreitete internationale Zahlungssystem auf Girokarten – also auf den sogenannten EC-Karten. Technisch gesehen war Maestro dabei kein eigenständiger Kartentyp, sondern eine Zusatzfunktion, die gemeinsam mit der deutschen Girocard auf einer Karte aufgedruckt war. Fachleute nennen das ein sogenanntes Co-Badge.
Über die Maestro-Funktion konnten Karteninhaber im Ausland bezahlen und Bargeld abheben – überall dort, wo das Maestro-Logo an Kassen oder Geldautomaten zu sehen war. Innerhalb Deutschlands hingegen lief die Zahlung meist über das Girocard-System. Maestro war somit die internationale Ergänzung zur rein nationalen Girocard.
Das System arbeitet technisch mit einem EMV-Chip sowie einem Magnetstreifen. Die Zahlung erfolgt per PIN-Eingabe oder, bei neueren Karten, kontaktlos per NFC. Wichtig: Bei Maestro wird der Betrag sofort vom Girokonto abgebucht – es handelt sich um eine Debitfunktion, keine Kreditfunktion.
Warum wurde Maestro abgeschafft?
Mastercard hat Ende 2021 angekündigt, das Maestro-System schrittweise einzustellen. Ab dem 1. Juli 2023 dürfen Banken und Sparkassen keine neuen Maestro-Karten mehr ausgeben. Die Begründung von Mastercard ist klar: Maestro entspricht nicht mehr den Anforderungen der heutigen digitalen Welt.
Konkret nannte Mastercard-Deutschlandchef Dr. Peter Robejsek folgende Hauptgründe:
- Kein Online-Shopping möglich: Mit einer klassischen Maestro-Karte kann man grundsätzlich nicht im Internet bezahlen. Die Karte verfügt nicht über die notwendigen Sicherheitsmerkmale wie eine CVV-Prüfnummer für Online-Transaktionen.
- Begrenzte weltweite Akzeptanz: Maestro ist zwar in vielen europäischen Ländern akzeptiert, aber außerhalb Europas – vor allem in den USA, Asien und Teilen Lateinamerikas – gibt es erhebliche Lücken bei der Akzeptanz.
- Veraltete Technologie: Das Maestro-System wurde für eine Zeit konzipiert, in der Magnetstreifen und Chips die dominierende Technologie waren. Moderne Zahlungsanforderungen wie digitale Wallets (Apple Pay, Google Pay) oder tokenisierte Online-Zahlungen erfordern ein moderneres technisches Fundament.
- Verändertes Nutzerverhalten: Laut einer GfK-Umfrage erwarten 43 Prozent der Deutschen, ihre Karte für Online-Zahlungen nutzen zu können. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar mehr als die Hälfte.
Das Ende der Maestro-Neuausgabe ist damit Teil einer umfassenden Modernisierungsstrategie von Mastercard, die das gesamte Kartensystem zukunftsfähig machen soll.
Unterschied: Maestro vs. Mastercard Debit vs. Mastercard Kredit
Viele Verbraucher verwechseln die verschiedenen Mastercard-Produkte. Hier eine klare Übersicht:
| Merkmal | Maestro | Mastercard Debit | Mastercard (Kredit) |
|---|---|---|---|
| Abbuchung | Sofort vom Konto | Sofort vom Konto | Monatliche Abrechnung |
| Online-Shopping | Nein | Ja | Ja |
| Weltweite Akzeptanz | Eingeschränkt | Über 100 Mio. Stellen | Über 100 Mio. Stellen |
| Apple Pay / Google Pay | Oft nicht | Ja | Ja |
| Kreditrahmen | Nein | Nein | Ja |
| Neuausgabe ab 2023 | Nein (eingestellt) | Ja | Ja |
Der zentrale Unterschied zwischen Mastercard Debit und einer klassischen Mastercard Kreditkarte liegt in der Abbuchungsweise: Bei der Debitkarte wird jeder Betrag sofort vom Girokonto abgebucht, ähnlich wie bei Maestro. Bei der Kreditkarte hingegen werden alle Umsätze gesammelt und einmal im Monat abgerechnet – oft zinslos innerhalb einer festgelegten Zahlungsfrist.
Die Mastercard Debit ist damit funktional der direkte Nachfolger der Maestro-Karte, jedoch mit deutlich mehr Möglichkeiten.
Was ist der Nachfolger der Maestro-Karte?
Der offizielle Nachfolger der Maestro-Karte ist die Debit Mastercard (auch: Mastercard Debit). Viele Banken und Sparkassen haben ihre Girokarten inzwischen auf dieses System umgestellt oder stellen sie sukzessive um.
Daneben gibt es als gleichwertigen Nachfolger auch die Visa Debit-Karte. Visa hat sein eigenes Debit-System, das dieselben Vorteile bietet: weltweite Akzeptanz, Online-Shopping-Fähigkeit und Kompatibilität mit digitalen Wallets.
Welcher Nachfolger eine Bank wählt, hängt von den jeweiligen Vereinbarungen mit Mastercard oder Visa ab. Viele Direktbanken wie DKB, ING oder N26 geben bereits seit Jahren Visa-Debit- oder Mastercard-Debit-Karten aus – für diese Kunden hat sich faktisch nichts geändert. Für Kunden klassischer Banken und Sparkassen hingegen ist die Umstellung neu.
Funktioniert meine alte Maestro-Karte noch?
Ja – bestehende Maestro-Karten behalten ihre volle Gültigkeit bis zum aufgedruckten Ablaufdatum. Wer also noch eine Karte mit Maestro-Logo hat, die im Jahr 2026 oder 2027 abläuft, kann diese bedenkenlos weiter nutzen.
Mastercard hat ausdrücklich klargestellt: Es gibt keine vorzeitige Sperrung. Die Karten laufen einfach regulär aus, und beim Neuausstellen erhalten Karteninhaber dann eine Debit Mastercard oder eine Visa Debit.
Bis Ende 2027 sollen laut Branchenangaben alle noch im Umlauf befindlichen Maestro-Karten durch ihre Nachfolger ersetzt worden sein.
Welche Banken geben neue Karten aus?
Die Umstellung läuft je nach Bank unterschiedlich schnell ab. Hier ein Überblick über die Situation bei wichtigen deutschen Banken (Stand 2026):
- Sparkassen: Stellen schrittweise auf Debit Mastercard um. Bei Kartenablauf oder Neubeantragung wird in der Regel eine Debit Mastercard ausgestellt – in vielen Fällen weiterhin als Co-Badge mit der Girocard.
- Volksbanken / Raiffeisenbanken: Ähnliche Vorgehensweise wie Sparkassen. Viele geben Debit Mastercard aus, oft kombiniert mit Girocard.
- Deutsche Bank: Stellt auf Visa Debit um.
- Commerzbank: Gibt Debit Mastercard aus.
- ING: Hat seit Jahren Visa Debit als Standard – keine Umstellung notwendig.
- DKB: Gibt seit Jahren Visa Debit aus.
- N26: Gibt Mastercard Debit aus.
- Comdirect / Commerzbank-Gruppe: Debit Mastercard ist Standard.
Wichtig: Bei einigen Banken muss man aktiv nachfragen oder einen neuen Kartenantrag stellen. Wer unsicher ist, sollte direkt bei seiner Bank nachfragen, welche Karte aktuell ausgegeben wird.
Akzeptanz weltweit: Mastercard Debit besser als Maestro
Einer der wesentlichen Vorteile der Debit Mastercard gegenüber Maestro ist die deutlich bessere weltweite Akzeptanz. Mastercard gibt an, dass die Debit Mastercard an über 100 Millionen Akzeptanzstellen weltweit genutzt werden kann – das entspricht dem Netzwerk einer vollwertigen Mastercard.
Konkrete Verbesserungen gegenüber Maestro:
- USA: Maestro war in den USA so gut wie gar nicht akzeptiert. Die Debit Mastercard hingegen funktioniert an nahezu allen amerikanischen Kassen und Geldautomaten problemlos.
- Asien: Ähnliche Situation – Maestro war in vielen asiatischen Ländern nur eingeschränkt nutzbar. Debit Mastercard ist deutlich breiter akzeptiert.
- Online-Shopping: Ein kompletter Paradigmenwechsel: Mit der Debit Mastercard kann man weltweit online einkaufen, mit Maestro war das praktisch unmöglich.
- Digitale Wallets: Die Debit Mastercard lässt sich in Apple Pay, Google Pay und andere digitale Wallets einbinden. Mit Maestro war das nicht möglich.
Für Vielreisende und Online-Shopper ist der Wechsel zu Debit Mastercard oder Visa Debit damit eine klare Verbesserung.
Girocard (früher EC-Karte) – bleibt sie?
Ja, die Girocard bleibt bestehen. Das ist ein wichtiger Punkt, der häufig missverstanden wird: Maestro und Girocard sind zwei verschiedene Systeme.
Die Girocard ist das national-deutsche Debitkartensystem, das von der deutschen Kreditwirtschaft betrieben wird. Sie ist der offizielle Nachfolger der früheren EC-Karte (seit 2007 umbenannt). Das Girocard-System ist in Deutschland flächendeckend akzeptiert und bleibt auch nach dem Ende von Maestro vollständig erhalten.
Was wegfällt, ist das Co-Badge mit Maestro als internationale Ergänzung. Stattdessen werden Girokarten nun entweder:
- nur als Girocard (ohne internationales Co-Badge) ausgegeben, oder
- als Girocard kombiniert mit Debit Mastercard oder Visa Debit als neuem Co-Badge.
Für die Nutzung innerhalb Deutschlands ändert sich für Girocard-Nutzer also praktisch nichts. Lediglich für Auslandszahlungen ist der Unterschied spürbar.
Empfehlung: Welche Karte jetzt beantragen?
Wer eine neue Karte benötigt oder die alte Maestro-Karte ersetzen möchte, hat im Wesentlichen drei Optionen:
Option 1: Debit Mastercard
Ideal für alle, die eine direkte Maestro-Alternative suchen. Sofortige Abbuchung vom Konto, weltweite Akzeptanz, Online-Shopping und digitale Wallets inklusive. Viele Banken stellen automatisch auf diese Karte um.
Option 2: Visa Debit
Funktional identisch mit der Debit Mastercard, nur auf Visa-Basis. Ebenfalls weltweite Akzeptanz und vollständige Online-Shopping-Fähigkeit. Je nach Bank kann Visa Debit die bevorzugte Option sein.
Option 3: Klassische Kreditkarte
Wer maximale Flexibilität möchte, wählt zusätzlich eine klassische Kreditkarte. Diese bietet die gleiche Akzeptanz wie Debit Mastercard oder Visa Debit, jedoch mit monatlicher Abrechnung und oft zusätzlichen Leistungen wie Reiseversicherungen, Bonusprogrammen oder Cashback. Besonders empfehlenswert für häufige Reisende.
Unser Tipp: Für den Alltag reicht eine Debit Mastercard oder Visa Debit vollkommen aus. Wer regelmäßig reist oder online einkauft, profitiert zusätzlich von einer echten Kreditkarte ohne Jahresgebühr als Ergänzung.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann wurde Maestro abgeschafft?
Ab dem 1. Juli 2023 dürfen Banken und Sparkassen keine neuen Maestro-Karten mehr ausgeben. Bestehende Karten bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum gültig.
Kann ich mit meiner alten Maestro-Karte noch bezahlen?
Ja. Alle bestehenden Maestro-Karten funktionieren bis zum aufgedruckten Ablaufdatum wie gewohnt. Eine vorzeitige Sperrung findet nicht statt.
Was ist der Unterschied zwischen Maestro und Mastercard?
Maestro ist ein reines Debit-Zahlungssystem mit eingeschränkter Akzeptanz und ohne Online-Shopping-Möglichkeit. Mastercard ist die übergeordnete Marke mit verschiedenen Produkten: Debit Mastercard (Sofortabbuchung, weltweite Akzeptanz, Online-Shopping möglich) und klassische Mastercard Kreditkarte (monatliche Abrechnung, Kreditrahmen).
Muss ich etwas tun, wenn meine Maestro-Karte abläuft?
Ihre Bank schickt Ihnen automatisch eine neue Karte. In der Regel erhalten Sie dann eine Debit Mastercard oder Visa Debit als Ersatz. Sie müssen selbst nichts veranlassen.
Warum wurde Maestro abgeschafft?
Maestro war technisch veraltet: kein Online-Shopping, eingeschränkte weltweite Akzeptanz, keine Kompatibilität mit digitalen Wallets. Mastercard hat die Produktion eingestellt, um das modernere Debit-Mastercard-System zu etablieren.
Kann ich mit Debit Mastercard überall bezahlen, wo früher Maestro akzeptiert wurde?
Ja – und an noch viel mehr Stellen. Debit Mastercard ist in allen Ländern akzeptiert, die das Mastercard-Netzwerk unterstützen. Das sind über 100 Millionen Akzeptanzstellen weltweit, deutlich mehr als Maestro je hatte.
Ist die Debit Mastercard eine Kreditkarte?
Nein. Trotz des Namens "Mastercard" handelt es sich bei der Debit Mastercard um eine Debitkarte. Das bedeutet: Jede Zahlung wird sofort vom Girokonto abgebucht. Es gibt keinen Kreditrahmen und keine monatliche Sammelabrechnung.
Gibt es die Girocard noch?
Ja, die Girocard (früher EC-Karte) bleibt vollständig erhalten. Das Maestro-Ende betrifft nur die internationale Zusatzfunktion auf der Girocard. Das deutsche Girocard-System selbst läuft unverändert weiter.